Schön wild!

Der Frühling ist da und es ist erst Ende Februar. Seit Tagen verlassen mich Goethes Zeilen „vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden belebenden Blick…“ nicht mehr. Der Winter war nur kurz aber dafür heftig, und wie in jedem Jahr haben wir den Frühling herbeigesehnt. Den Gärtnern kribbelt es schon in den Fingern, sie wollen ihre Hände in die Erde stecken. Ich habe das große Glück, Hüterin einer kleinen Gartenoase zu sein. Ursprünglich nicht so geplant, ist diese 500 m² große Fläche mittlerweile zu einem Waldgarten geworden mit den dafür typischen Zonen: Viele Obstbäume, Obst- und Wildholzsträucher, viele Wildkräuter für eine gesunde, abwechslungsreiche Küche aber auch Permakulturbeete für Gemüseanbau für den eigenen Bedarf. Ein Ort für die Artenvielfalt, für Vögel und Insekten. Ein Platz für wildes Grün. Wohltuend für die Seele. Eine Oase um einfach zu staunen. Die Teilnehmer meiner Wildkräuterkurse sind immer erfreut über die vielen Möglichkeiten, die die hier wachsenden Wildkräuter mit ihrem erhöhten Gehalt an Vitalstoffen für gesunde Mahlzeiten bieten! Im eigenen Garten dulden die Teilnehmer das allerdings oft nicht. Der eigene Garten soll ordentlich sein, ohne „Unkraut“. Giersch, Brennesseln, Löwenzahn haben darin nichts zu suchen. Ich nenne es “wildes Grün“ und freue mich darüber. Was nicht heißt, dass ich es nicht auch ein wenig im Zaum halte.

Nach jedem Winter ist es immer wieder erstaunlich, wie schnell alles Wachstum wieder einsetzt. Plötzlich habe ich das Bedürfnis, diesen Impuls nachzuempfinden. Es ist ein wolkenverhangener Tag, ich setze mich auf meine Fersen, beuge mich nach vorn und versuche mir vorzustellen, was genau das Signal ist, dem die Pflanzen folgen? In diesem Moment kommt die Sonne plötzlich aus den Wolken und wärmt mich. Ja, so muss es sein: Die Sonne erwärmt die Erde, das Licht wird intensiver und ermuntert, sich dehnend nach oben zu strecken. Das geht mir nun ganz genauso. Ich dehne mich und strecke mich dem Licht entgegen. Wer schon einmal Zeitrafferaufnahmen von Pflanzen gesehen hat, kennt auch den energetischen Schwung, mit dem die Pflanzen sich nach oben schieben. Und ich bin jetzt auch ganz da und wach.

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Ich bin Anne Schneider, begeisterte Hüterin eines Permakulturwaldgartens. Kurse und Ausbildung in Permakultur und Waldbaden haben mir Wege zu meinen größten Leidenschaften eröffnet: Wald und Garten. Das achtsame Eintauchen in die wilde Natur, in Feld, Wald und Wiese erzeugte Glücksmomente in meiner Kindheit. Ich bin beeindruckt von der Tiefenökologie nach Joanna Macy. Es ist mir ein großes Anliegen, Menschen (wieder) mit der Natur zu verbinden.